Modul 2: Krieg und Trauma im Lebensverlauf

Kindheit und Jugend im Zweiten Weltkrieg
„Ich konnte meinen Geschwistern nicht helfen!“

Kinder haben im Gegensatz zu Erwachsenen noch keine ausreichenden stabilen Bewältigungsmöglichkeiten, auf die sie in lebensbedrohlichen Situationen zurückgreifen können: Sie sind körperlicher und seelischer Gewalt im Kontext von Krieg, Flucht und Vertreibung hilflos ausgeliefert und auf den Schutz erwachsener Menschen angewiesen. Was haben Kriegskinder erlebt und was hat Ihnen geholfen, zu überleben?

Folgen nationalsozialistischer Erziehung
„Mutter, werde ja nicht schwach!“
Kriegskinder im Zweiten Weltkrieg wurden in vielen Familien und vor allem in den Schulen nach nationalsozialistischen Idealen (Verdrängung von Schwächen und Erniedrigung) erzogen: Diese „Erziehung zur Härte“ hat Spuren im Leben der Kriegskinder hinterlassen.Welche Auswirkungen kann eine solche Erziehung auf die seelisch-geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben?

Welche psychischen Probleme können sich für die Betroffenen in der Beziehungsfähigkeit und dem In-der-Welt-Sein im Erwachsenenalter ergeben?

Flucht und Vertreibung als Lebensthema
„Die Beschäftigung mit der Heimat ist für mich zugleich Rettungsanker und Bleigewicht!“ (Dorothea, 1934 geb.)

ADN-Zentralbild II. Weltkrieg 1939 - 1945 Berlin, Flüchtlingskinder auf dem Bahnhof Lankwitz, 1945 01-45

ADN-Zentralbild 01-45
II. Weltkrieg 1939 – 1945
Berlin, Flüchtlingskinder auf dem Bahnhof Lankwitz, 1945

Das Leben der Kriegskinder, die Flucht und Vertreibung erlebt haben, ist häufig von Verlusterfahrungen und einer lebenslangen Suche nach Heimat geprägt. Gesprochen wurde darüber oftmals nur im engen Familienkreis oder mit anderen Flüchtlingen und Vertriebenen.

Der Jurist und Psychotherapeut Günter Jerouschek spricht in diesem Sinne von einem Aufwachsen in der realen Heimat und von einer zweiten, imaginären Heimat.

Kriegskinder und auch Nachkriegskinder spüren häufig erst als Erwachsene, wie diese zweite Heimat in ihr eigenes Leben hineingewirkt hat. Was haben die Kriegskinder und Nachkriegskinder mit ihren Eltern im Kontext von Flucht und Vertreibung erlebt?

Welche Schwierigkeiten haben sich daraus für die eigene Identitätsentwicklung ergeben und wie kann eine positive und identitätsfördernde Auseinandersetzung mit dem Thema „Heimat“ verlaufen?

Erwachsenenalter und Alter

Traumareaktivierung und Retraumatisierung
 „Was wollen die fremden Männer von mir, ich bin doch eine alte Frau?“
Kriegskinder, die traumatisiert sind, werden oftmals erst im Erwachsenenalter und Alter von den schrecklichen Ereignissen und traumatischen Erfahrungen unkontrolliert überschwemmt.
Insbesondere Frauen, die sexualisierte Gewalt im und nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren haben, werden von den schrecklichen Erfahrungen eingeholt: Das alte Trauma wird durch neue Lebensumstände (Einsamkeit, Pflegebedürftigkeit, Verlassen des gewohnten häuslichen Lebensumfeldes, Tod des Ehepartners) unbewusst reaktiviert?
Professionell Tätige in sozialen, therapeutischen, seelsorgerischen und pflegerischen Arbeitsfeldern, stehen ebenso vor neuen Herausforderungen wie ehrenamtliche Helfer und pflegende Angehörige.
Welche Situationen können zu einer Trauma-Reaktivierung führen und wie können wir diese erkennen und vermeiden?